
Klar ist: Die pädagogischen Konzepte für den Ganztag müssen vorhandene Räume umgestalten und neue Räume schaffen. Denn im rhythmisierten Ganztag greifen formales Lernen und individuelle Förderung ineinander. Einzel- und Teamarbeit, Freizeit, Bewegungs- und Ruhephasen finden teils parallel statt. Gleichzeitig finden individuelle Lernwege, Inklusion und soziales Lernen mehr Unterstützung als bisher.
Wie können Räume all diesen Anforderungen gerecht werden? Innovative Konzepte zeigen, wie durchdachte Raumkonzepte den Ganztag mit Leben füllen, etwa das Churermodell, das Münchner Lernhauskonzept und die Berliner Compartmentschulen.

Churermodell
Im Churermodell des Schweizer Pädagogen Reto Thöny wird der klassische Klassenraum zur vielseitigen Lernlandschaft. Statt fester Sitzreihen entstehen unterschiedliche Bereiche für Einzel- und Partnerarbeit, Gruppentische, Bodenarbeitsflächen und Rückzugsorte. Nach kurzen gemeinsamen Inputphasen arbeiten die Schülerinnen und Schüler längere Zeit selbstständig in diesen verschiedenen Zonen.
Besonders praktisch: Das Konzept kann auch in bestehenden Schulgebäuden umgesetzt werden, da sich die Architektur nicht verändern muss. Eine flexible Möblierung mit mobilen Tischen, Hockern, Raumteilern und Polsterelementen ermöglicht den schnellen Wechsel zwischen Teamarbeit, stiller Einzelarbeit und Bewegungsphasen.

Münchner Lernhauskonzept
Das Münchner Lernhauskonzept unterteilt große Schulen in kleinere, überschaubare Einheiten, sogenannte „Cluster“. Mehrere Jahrgangsstufen lernen und arbeiten rund um einen zentralen „Marktplatz“, der als gemeinsamer Lern-, Begegnungs- und Aufenthaltsbereich dient. Lehrkräfte, Sozialpädagogen und Betreuungspersonal arbeiten in multiprofessionellen Teams zusammen und begleiten die Kinder durch Unterricht, Förderung und Ganztagsangebote.
So entsteht eine vertraute Lernumgebung mit kurzen Wegen und klaren Strukturen. Flexible Möbel, mobile Tafeln und variabel kombinierbare Tische ermöglichen es, den Marktplatz und die angrenzenden Räume für unterschiedliche Aktivitäten zu nutzen – vom Lernen über Präsentationen bis hin zum Essen.

Berliner Compartmentschulen
Im Rahmen der Berliner Schulbauoffensive werden neue Schulgebäude nach dem sogenannten Compartmentprinzip geplant. Dabei gruppieren sich Klassenräume, Teilungsräume, Ruhebereiche und Teamräume um ein zentrales Forum. Diese Struktur ermöglicht parallele Lernangebote, Teamteaching und klassenübergreifende Projekte. Das Forum wird im Laufe des Tages unterschiedlich genutzt – etwa als Lernlandschaft, Essbereich oder Treffpunkt für Arbeitsgemeinschaften und Freizeitangebote.
Damit diese flexible Nutzung funktioniert, braucht es wandelbare Möbel wie rollbare Tische, stapelbare Stühle, modulare Polsterelemente und mobile Raumteiler.
Weitere Raumkonzepte für den Ganztag
Ganztagsschulen sind auch international längst Realität. Entsprechend zahlreich sind die Modelle, die sich diesen Herausforderungen stellen: Clusterkonzepte, offene Lernlandschaften, reformpädagogische Ansätze oder Bildungscampus-Modelle lösen die auf den Fachunterricht fokussierte Halbtagsschule ab. Alle setzen auf:
- multifunktionale Räume statt herkömmlicher Klassenzimmer
- Zonen für unterschiedliche Aktivitäten und Energiestufen
- Flexibilität für Inklusion, Differenzierung und Teamarbeit
- Möbel, die Bewegung, Partizipation und Selbstorganisation unterstützen
Klar ist: Der Ganztag entfaltet sein Potenzial erst dann, wenn Räume gleichzeitig Lern-, Lebens- und Aufenthaltsorte sind, in denen sich Kinder und Jugendliche ganzheitlich entfalten und wohlfühlen können. Nicht zu vergessen: Auch Lehrende und Betreuende müssen dort gute Voraussetzungen für ihre Arbeit vorfinden.
Raumplanung und Möblierung entscheiden über den Erfolg
Pädagogische Konzepte definieren, was passieren soll – Räume und Möbel entscheiden, ob es tatsächlich passiert. Flexible Tische, mobile Elemente und klar gegliederte Zonen ermöglichen Gruppenarbeit, Rückzug und parallele Lernangebote. So können Cluster, Marktplätze oder Compartments ihre Möglichkeiten erst vollständig entfalten.
Mobiliar ist dabei mehr als nur Ausstattung es ist ein pädagogisches Werkzeug.
Es strukturiert Räume, unterstützt Lernprozesse und macht unterschiedliche Nutzungen im Ganztag überhaupt erst möglich.
Neben der Funktionalität spielen auch Wohlfühlfaktoren eine wichtige Rolle. Abgerundete Formen, freundliche Farben, robuste Oberflächen oder Rückzugselemente schaffen eine angenehme Lernumgebung. Gleichzeitig sollten kindgerechte Möbel ergonomisch gestaltet sein und verschiedene Haltungen und Bewegungen im Alltag unterstützen.
Ob Churermodell, Lernhaus oder Compartmentschule: Lebendig werden diese Konzepte erst durch eine flexible, mobile und pädagogisch durchdachte Möblierung.
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