
Ob wir eine Person sympathisch finden oder nicht, entscheidet sich in wenigen Sekunden. Ob wir uns in einem Raum wohlfühlen, merken wir ähnlich schnell. Wir kommunizieren mit Räumen, unbewusst, unmittelbar und nachhaltig.
„Deshalb müssen Räume zu Orten avancieren, die auf die Bedürfnisse der Menschen einzahlen und unsere Sensorik auf allen Ebenen erlebbar aktivieren: flexibel, wandelbar und multifunktional. Es geht um Orte, an denen ein Gefühl der Zugehörigkeit und Verbundenheit entwickelt und gestärkt wird. Damit dies gelingt, muss uns ein Raum bis ‚unter die Haut‘ emotional berühren,“ sagt Jürgen Gaiser, Innenarchitekt und Partner bei blocher partners in Stuttgart.
Tatsächlich wirken gelungene Raumkonzepte nachweislich positiv auf unser Wohlbefinden beim Arbeiten. Eine positive Raumwirkung kann die Konzentration fördern, die Kreativität anregen und die Zusammenarbeit erleichtern. Nicht ohne Grund gilt der Raum in der Pädagogik als „dritter Lehrer“. Nach diesem geflügelten Wort von Loris Malaguzzi beeinflusst die Umgebung als drittstärkste Kraft nach Mitschülern und Lehrern maßgeblich den Lernerfolg von Kindern, ihre Leistungsbereitschaft und ihr Wohlbefinden. Sich wohlfühlen können, das mag zunächst nach Luxusproblem klingen. Das Gegenteil ist der Fall: Wohlbefinden ist eine unverzichtbare Voraussetzung für gelingendes Lernen und gutes Arbeiten.

Nur wer sich wohlfühlt, ist produktiv – Produktivität steigern durch die richtige Arbeitsatmosphäre
Raumskills rücken mit gutem Grund bei Unternehmen in den Fokus. Die Zahl der Standards im Hinblick auf verpflichtende Gesundheitsfürsorge steigt. Dafür sinkt kontinuierlich die Zahl verfügbarer Fachkräfte, was es für Unternehmen unerlässlich macht, ein attraktives Arbeitsumfeld zu bieten. Nicht zuletzt die Homeoffice-Erfahrung der Mitarbeitenden führt zu höheren Ansprüchen an Arbeitsräume, die wohnlicher werden sollen, atmosphärischer, stimulierend und gleichzeitig funktional. Gerade in Zeiten hybriden Arbeitens müssen Unternehmen zeigen, wo der Mehrwert des Büros gegenüber mobilem Arbeiten liegt. Deshalb sollte es die bestmögliche Umgebung für das bieten, was remote eben nicht geht: echte Beziehungen pflegen, ein spürbares Team-Gefühl entwickeln, kreative Begegnungen erleben. Oder um es mit den Worten von Trendforschern zu sagen: Die zentrale Gestaltungsherausforderung ist das „Mood Management“ der Mitarbeitenden. Was nicht weniger heißt, als das Büro zu einem Ort werden zu lassen, der besser als jeder andere in die richtige Arbeitsverfassung versetzt.
„In Zukunft wird ein Raum zum ‚Melting Pot‘ der Menschen, ihrer Bedürfnisse, Diversität und Kreativität. Er wird als Herzstück des Unternehmens fungieren, weil es der Unternehmensgeist ist, der hier gelebt und weiterentwickelt wird und nicht allein das Produkt", sagt Gaiser.

„Man sitzt besser auf einem Stuhl, dessen Farbe man mag.“
Verner Panton
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